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By cizucu ·

Cover photo by Lam Tsz Fung
Threads, das textbasierte soziale Netzwerk von Meta, ist eine Plattform, auf der täglich unzählige Ausdrucksformen aus aller Welt geteilt werden.
In »Read Your Photography« richten wir den Blick auf die Geschichten hinter den Fotografien – Narrative, die sich dem bloßen Betrachten entziehen. Zusammen mit den über Threads gesammelten Werken übersetzt das cizucu Magazin die Hintergründe und individuellen Zeitmomente jeder Aufnahme in zwölf Sprachen und bringt sie weltweit zur Geltung.
Es ist eine Möglichkeit, Geschichten im Herzen zu bewahren. Doch vielleicht berühren diese Gedanken leise das Herz eines anderen und entfalten eine noch unbekannte Faszination.
Auf Threads von cizucu wird gelegentlich ein „Fotothema“ gepostet.
Alles, was Sie tun müssen: Antworten Sie mit „Ihrer Aufnahme“, die zum Thema passt.
Die einzige Teilnahmebedingung: Folgen Sie cizucu auf den sozialen Netzwerken 💙
Unter allen eingereichten Werken wählt die cizucu Redaktion aus,
und die ausgewählten Teilnehmer:innen werden von uns per Nachricht kontaktiert!
In dieser Ausgabe stellen wir die Werke von fünf Künstler:innen aus aller Welt vor.
Lassen Sie uns nun einen behutsamen Blick auf diese einzigartigen Geschichten werfen.
Photo by CLori
CLori
📷 SONY α7C II
📚 01
Auf einem kleinen Stück Papier stehen winzige Buchstaben, und ein Schmetterling scheint sie zu lesen.
Vielleicht ist er aber auch nur zufällig dort gelandet.
Vielleicht möchte ich der Herkunft dieses Lichts nachspüren, und nebenbei den Schmetterling betrachten.
Oder ich beobachte den Schmetterling und nehme dabei das Licht wahr.
Ich bin sehr dankbar, dass ich diesen Moment festhalten konnte.
Es ist, als wäre ich selbst dieser Schmetterling: Endlich etwas gefunden, vorsichtig tastend voranschreiten, verweilen, wenn es ungefährlich erscheint, leuchten, wenn es passt, und von jemandem wahrgenommen werden. Wenn nicht, werde ich wie Schlamm im Schatten.
In meinen 21 Lebensjahren habe ich gelernt, die Dinge immer klarer zu sehen. Doch zugleich wächst der Wunsch, nicht mehr alles durchschauen zu wollen.
Was wohl der Schmetterling denkt? Hat er Sorgen? Interessen oder Hobbys?
Vielleicht liest er auch nur für drei Minuten voller Hingabe. Genau wie ich.
Ich werde diese Welt wohl nie ganz durchschauen.
Wenn das Licht auf mich fällt, werde ich gesehen.
Doch es ist nicht meine Zeit.
Wenn kein Licht fällt, nimmt mich niemand wahr.
Doch all das ist nur meine Zeit.
Und plötzlich wird meine Zeit sehr kostbar.
cizucu Redaktion
Es hat uns tief berührt, wie sich aus einem einzigen Foto solch stille Reflexionen entfalten. Der Blick, der Schmetterling, Licht und das eigene Selbst miteinander verwebt, ist von großer Feinfühligkeit und Aufrichtigkeit. Zwischen dem Durchschauen und dem Wunsch, nicht mehr alles zu durchschauen, liegt jene Schwingung, die Sensibilität ausmacht. Sowohl die lichten als auch die dunklen Momente sind unwiederbringliche Zeit. Wir danken herzlich dafür, dass Sie diese Erkenntnis fotografisch festgehalten haben.
Photo by hiro_photograph_0113
hiro_photograph_0113
📷 OLYMPUS IMAGING CORP. E-510
📚 02
Das berühmte Ausflugsziel Higashi Chaya-gai in Kanazawa.
Heute ist es nicht nur in Japan, sondern auch international ein beliebter Anziehungspunkt für Tourist:innen.
Doch als sich das Coronavirus weltweit ausbreitete und später das Erdbeben auf der Noto-Halbinsel (Reiwa 6) folgte, verschwand jegliche Spur von Menschen aus diesem Viertel.
Dieses Gefühl von Verlassenheit habe ich fotografisch festgehalten.
Die Hilfsbereitschaft der Menschen aus Taiwan, die sofort Unterstützung leisteten, werde ich nie vergessen.
cizucu Redaktion
Die einst belebte Higashi Chaya-gai, nun in Stille gehüllt – dieser Kontrast berührt zutiefst. Das Werk fängt nicht nur die Glanzseite eines touristischen Hotspots ein, sondern auch die gesellschaftlichen Unsicherheiten und die Zeitläufte dahinter. In der menschenleeren Szenerie liegt nicht nur Verlust, sondern auch die Schwere der Zeit, die auf Erneuerung wartet. Die Dankbarkeit gegenüber der Unterstützung aus Taiwan hebt das Bild über bloße Dokumentation hinaus und vermittelt menschliche Verbundenheit. Ein sehr aufrichtiges Werk, das Erinnerungen für die Zukunft bewahrt.
Photo by Lawrence Liou
Lawrence Liou
📚 03
An jenem Tag betrat ich auf der Plaza de España einen Raum, in dem ich mich nicht mehr beeilen musste, mich selbst zu beweisen. Früher war Fotografie für mich eine Art „Antwort“: eine Antwort an die Welt, an Erwartungen, auf die Frage „Bin ich gut genug?“.
Doch inmitten dieser kolonialisierten, vergessenen und von der Zeit langsam verziehenen Ruinen wurde mir bewusst: Der Sinn eines Ortes besteht nicht darin, von Anfang an erklärt zu werden.
Das Licht durchdrang die Risse der Geschichte und fiel still auf den Fensterrahmen und die fleckige Wand.
Es prahlte nicht mit den Jahrhunderten, die es überdauerte, und versuchte nicht, vorschnell Antworten zu liefern. Es verweilte einfach ruhig, als würde es warten.
Darauf, dass die Zeit zu Ende erzählt, was sie zu sagen hat. Als ich den Auslöser drückte, wollte ich eigentlich nichts festhalten – weder Erhabenheit, noch Vollkommenheit, schon gar nicht „Schönheit“. Ich wollte nur diesen Moment bewahren.
Ich konnte mir endlich erlauben, auf dem Foto nicht „die Bemühte“ zu sein.
Dieses Bild dokumentiert nicht die Landschaft, sondern den Moment, in dem ich erstmals wirklich vor der Geschichte stand, meine eigene Kleinheit anerkannte und dadurch still angenommen wurde.
Wenn Fotografie ein Akt des „Lesens“ ist, dann habe ich an jenem Tag nicht die Vergangenheit Guams gelesen, sondern das gegenwärtige Ich, das endlich langsam zu gehen beginnt.
Und ich möchte diese Stille an alle weitergeben, die noch auf dem Weg sind.
cizucu Redaktion
Vor der Geschichte zu stehen und die eigene Kleinheit zu akzeptieren – diese Aufnahme ist von tiefer Stille durchdrungen. Ein Werk, das nicht Antworten geben will, sondern das bloße „Sein“ zulässt. Wie das Licht, das ruhig verweilt, spiegelt sich diese Haltung in der Fotografie wider. Fotografie als Akt, die eigene Zeit neu zu lesen – diese stille Entschlossenheit und sanfte Stärke sind hier eindrucksvoll festgehalten.
Photo by Lam Tsz Fung
Lam Tsz Fung
📷 NORITSUKOKI EZ Controller
📚 04
Das ist meine Großmutter.
Dieses Foto entstand nach einem Wiedersehensdinner im Jahr 2022.
Es war unser letztes gemeinsames Mahl.
Ich kann mich nicht mehr klar an den Klang ihrer Stimme erinnern.
Auch nicht an die Wärme ihrer Hände oder den genauen Geschmack ihrer Gerichte. Doch ihr Gesicht und das, was sie mich lehrte, sind mir bis heute lebendig.
„Wenn du wählen kannst, ob du recht haben oder freundlich sein willst, dann wähle die Freundlichkeit.“
Während der SARS-Epidemie 2003 wurde die Schule geschlossen, und ich verbrachte jeden Tag mit meiner Großmutter zu Hause.
Damals sagte sie diesen Satz zu mir. Woher sie ihn kannte, weiß ich nicht.
Wie viele ihrer Generation, die im Krieg aufwuchsen, konnte sie nicht lesen.
Und doch hat sich dieser Satz tief in mir verwurzelt. Er ist Teil dessen geworden, wie ich meinen Weg durch die Welt gehe.
Das Leben meiner Großmutter war von Schwierigkeiten geprägt. Sie kannte nicht einmal ihr eigenes Geburtsdatum.
Während des Krieges verließ sie China und kam nach Hongkong. Erinnerungen an Kindheit und Kriegsjahre, Geschichten von Angst, Hunger und ungebrochener Hoffnung trug sie stets mit sich.
Wenn sie erzählte, spürte man sowohl den Schmerz des Ertragenen, als auch Empathie und die Kraft, weiterzugehen. Sie war der Beweis, dass Weisheit keine Schulbildung braucht.
Sie zeigte sich in ihren ruhigen Händen, im aufmerksamen Zuhören und in einer perfekt abgeschmeckten Suppe.
Und sie lebt fort in jenem stillen Mut, auch dann Freundlichkeit zu wählen, wenn es leichter wäre, recht zu haben.
Danke, Oma.
Ich vermisse dich.
cizucu Redaktion
Die Schwere der gemeinsamen Zeit und die stille Liebe zur Großmutter sind in jeder Zeile spürbar. Auch wenn die Konturen der Erinnerung verblassen, lebt die vermittelte „Freundlichkeit“ weiter. Ein Foto kann die Stimme, Philosophie und das gelebte Zeitalter eines Menschen bewahren. Die Entscheidung, Freundlichkeit über das Recht zu stellen, wird auch die Herzen der Lesenden berühren. Vielen Dank, dass Sie diese wertvolle Erinnerung mit uns teilen.
Photo by shannyeh
shannyeh
📚 05
Im Land der Massai Mara in Afrika sah ich Massai-Kinder barfuß über die warme, erdige Landschaft laufen und spielen.
In diesem Moment wurde mir klar:
Für sie ist das Land nicht einfach eine „Landschaft“, sondern ein untrennbarer Teil ihres Seins seit Geburt.
Ohne die Trennung einer Schuhsohle spüren sie mit den Füßen direkt die Rauheit, die Temperatur und den Geruch der Erde.
Zwischen ihnen und dem Boden besteht eine ursprüngliche, unmittelbare Verbindung, die bis heute erhalten ist.
Diese Beziehung hat mich tief beeindruckt.
„Auf dem Land zu stehen“ kann eine so reale, instinktive Handlung sein.
Ihre Fußspuren bleiben kurz im Schlamm, verschwinden aber schnell im Wind und Sand.
Doch die Energie der Erde ist tief in der Kultur der Massai verwurzelt und lebt spürbar fort.
cizucu Redaktion
Der warme Blick auf die barfuß laufenden Kinder bleibt im Gedächtnis. Es geht nicht darum, das Land als „Landschaft“ zu konsumieren, sondern mit Respekt für das Leben und die Kultur, die dort verwurzelt sind, zu betrachten. Auch wenn die Spuren im Wind vergehen, bleiben Körperwärme und Herzschlag spürbar. Ein Bild voller Dankbarkeit und Zuneigung für diese Begegnung.
Wie hat Ihnen diese Ausgabe gefallen?
Wir möchten den Blick auf jene Faszination richten, die sich nicht allein durch das Visuelle erschließt. »Read Your Photography« ist ein kuratorisches Projekt, das die Emotionen und Gedanken hinter den Fotografien als Erzählung erfahrbar macht.
Was wir sehen, ist nur ein flüchtiger Moment. Doch dahinter fließen Zeit und unausgesprochene Gefühle weiter.
Genießen Sie die Fotografien, als würden Sie sie lesen und Seite für Seite aufschlagen.
Freuen Sie sich auf die nächste Ausgabe von »Read Your Photography«.
Folgen Sie cizucu auf den sozialen Netzwerken und bleiben Sie gespannt 📚
31 Magazine
Wir richten den Blick auf die Geschichten hinter den Fotografien — Geschichten, denen man durch bloßes Betrachten nicht begegnen kann. Gemeinsam mit Werken, die über das von cizucu organisierte photo poster project und über soziale Medien zusammengekommen sind, tragen wir sie in die Welt hinaus.





