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By cizucu ·

©︎ RACHEL M LIU
In Interviews mit Menschen, die ihren ganz eigenen Blick auf Fotografie entwickeln, sprechen wir über kreative Anfänge, Ideen und Arbeitsprozesse – und geben Fotograf:innen und Fotomedien weltweit neue Impulse.
RACHEL M LIU ist Künstlerin und lebt in der San Francisco Bay Area. Anhand ihres eigenen Familienfotoarchivs untersucht sie, was Fotos zeigen und was sie verbergen. Dabei arbeitet sie mit traditionellen und experimentellen Verfahren, etwa mit handkolorierten Silbergelatineabzügen, und beschäftigt sich mit der Uneindeutigkeit der Fotografie sowie mit den Grenzen zu anderen Medien.
Zurzeit hat sie ihre künstlerische Arbeit etwas zurückgestellt, um sich um ihren dreijährigen Sohn zu kümmern. Kreativität versteht sie nicht als etwas, das an einen bestimmten Stil oder eine feste Methode gebunden ist, sondern als eine Praxis, die sich mit dem Leben verändert. In unseren zehn Fragen sprechen wir mit ihr über Erinnerungen als Kern ihrer Arbeit, die Freiheit im Umgang mit Materialien und die Hoffnung.
©︎ RACHEL M LIU
RACHEL M LIU
RACHEL M LIU ist eine Künstlerin aus der San Francisco Bay Area. In Projekten wie „Dear Photographs“ und „Remember Me Like This“ deutet sie eigene Familienfotos aus den 1940er- bis 1980er-Jahren neu. Ihre Arbeit hat ihre Wurzeln in der Found Photography, insbesondere in gefundenen Familienfotos. Dabei untersucht sie die Uneindeutigkeit der Fotografie und die Grenzen zwischen Fotografie und anderen Medien.
Zurzeit pausiert sie ihre künstlerische Arbeit, um sich auf ihr Leben als Mutter und ihre Familie zu konzentrieren.
Instagram: rachel.m.liu
In meinen neueren Projekten „Dear Photographs“ und „Remember Me Like This“ deute ich Familienfotos aus den 1940er- bis 1980er-Jahren neu. Beide Projekte haben ihre Wurzeln in der Found Photography, vor allem in gefundenen Familienfotos. In meinem Fall habe ich allerdings ausschließlich mit dem Fotoarchiv meiner eigenen Familie gearbeitet.
©︎ RACHEL M LIU
Zurzeit pausiere ich meine künstlerische Arbeit und kümmere mich um mein dreijähriges Kind.
Wie sich Elternsein und kreatives Arbeiten miteinander verbinden lassen, versuche ich selbst noch herauszufinden. Ehrlich gesagt glaube ich, dass man bei beidem Abstriche machen und Kompromisse eingehen muss, wenn man beiden Seiten gerecht werden will.
Gleichzeitig möchte ich mich nicht auf einen bestimmten Stil, eine Methode oder eine einzige Denkweise festlegen. Wenn sich die Lebensumstände oder die eigene Lebensphase verändern, verändert sich auch mein Umgang mit der Arbeit. Für mich bedeutet künstlerische Praxis, diese Veränderungen anzunehmen und dabei immer wieder eine neue Form zu finden.
Ein Thema, zu dem ich immer wieder zurückkehre, ist die Uneindeutigkeit der Fotografie. Ein Foto ist von Natur aus zugleich Tatsache und Fiktion. Es zeigt etwas und verbirgt gleichzeitig etwas anderes. Mich interessiert diese Spannung, aber auch die Frage, wo Fotografie aufhört und andere Medien beginnen.
©︎ RACHEL M LIU
Wenn ich direkt und körperlich mit Materialien arbeite und experimentiere, entdecke ich immer etwas Spannendes. In diesen Momenten fühle ich mich am freiesten – und ich glaube, dass dann auch meine besten Arbeiten entstehen.
©︎ RACHEL M LIU
Frei mit Materialien und Verfahren zu spielen, bringt Leben in meine Arbeit.
Wenn ich etwas erschaffe, fühle ich mich am lebendigsten. Und ich hoffe, dass das, was ich mache und vermitteln möchte, bei einem anderen Menschen etwas auslöst.
Ich habe ein Studioporträt meiner Mutter aus ihrer Jugend in zwei Fassungen neu interpretiert. Die erste ist eine Schwarz-Weiß-Version aus dem Jahr 2020. Die zweite entstand 2023 für das von La Maison de Z veröffentlichte „Remember Me Like This“.
©︎ RACHEL M LIU
©︎ RACHEL M LIU
Beide sind Silbergelatineabzüge, die ich in einer klassischen Dunkelkammer angefertigt und anschließend mit Gouache und Tusche von Hand koloriert habe. Wie die Unterschiede zwischen den beiden Fassungen die Wahrnehmung beeinflussen und welche davon besser gefällt, möchte ich den Leser:innen überlassen.
Ich weiß noch nicht genau, wie sich KI auf die Fotografie auswirken wird. Aber sie bringt uns dazu, uns erneut mit einer unbequemen Frage auseinanderzusetzen, auf die es auch in der Vergangenheit nie eine einfache Antwort gab: Was ist Kunst?
©︎ RACHEL M LIU
Mir fallen zwei gemeinnützige Organisationen ein: Local Color San Jose und Creative Growth.
Sie sind wichtig, weil sie Kunstschaffenden vor Ort Raum und Freiheit zum Arbeiten geben. Gleichzeitig schaffen sie Möglichkeiten, mit der eigenen Arbeit Geld zu verdienen und sich mit der Gemeinschaft zu vernetzen.
Am Ende muss man schließlich seinen Lebensunterhalt bestreiten können, um weiter Kunst zu machen.
Die Arbeiten zeitgenössischer chinesischer Fotograf:innen empfinde ich oft als erfrischend. Besonders mag ich die Bilder des in Peking lebenden Fotografen Lin Zhipeng.
Ich möchte authentische, ehrliche Arbeiten schaffen – Arbeiten, die einen anderen Menschen berühren können.
Es ist weniger eine Botschaft als vielmehr eine Frage, über die ich selbst immer wieder nachdenke.
©︎ RACHEL M LIU
Welchen Platz haben Kunst und Kunstschaffende in einer Welt voller Tragödien, Chaos und Leid? Wie können wir als Kreative einen Sinn in dem finden, was wir tun?
Vielleicht gibt es darauf keine schnelle, eindeutige Antwort. Trotzdem sollten wir weitermachen – nicht in der Erwartung, dass Kunst alle Widersprüche der Welt auf einmal löst, sondern als eine Möglichkeit, uns aufmerksam mit Erinnerungen, Materialien und unseren Verbindungen zu anderen Menschen auseinanderzusetzen.
47 Magazine
Eine Interviewreihe mit Fotograf:innen und Fotomedien aus aller Welt, die jeweils ihre eigene Form des visuellen Ausdrucks verfolgen. Anhand von zehn Fragen beleuchten wir ihre erste Begegnung mit der Fotografie, die Ursprünge ihres kreativen Schaffens und die Gedanken hinter ihren Werken und vermitteln Kreativen weltweit neue Perspektiven und Inspiration.








